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Herstellung und Stoffkreislauf
     
  Die Dosenstory
    Vor 200 Jahren begann in Frankreich die Karriere der Konserve. An den Erfinder erinnert sich kaum noch jemand – und dabei schuf François-Nicolas Appert die haltbarste Methode des 19. Jahrhunderts. Ein Ende ist nicht in Sicht: Derzeit werden pro Jahr 200 Milliarden Büchsen hergestellt. Wir folgten den Spuren der Konserve von Napoleon bis Warhol, vom Nordpol bis nach Sachsen.

Sogar im Wilden Westen des Karl May liegen sie herum. Mitten im Wald. »Mehrere leere Konservenbüchsen, die man weggeworfen und dann unvorsichtig liegen lassen hatte, verrieten, dass an diesem Orte Mittag gehalten worden war«, erzählt Old Shatterhand. Natürlich sind es böse Weiße, die die Dosen geöffnet haben. Als Karl May 1896 im sächsischen Radebeul den dritten Band von »Old Surehand« schrieb, gehörten Konservenbüchsen zumindest in Europa längst zum Alltag, gefüllt mit Fleisch, Obst und Gemüse. Die Massenproduktion war angelaufen, die erste Konservenfabrik war schon über 80 Jahre alt. Sie stand in Paris, gegründet von François-Nicolas Appert. Dem Mann, der vor 200 Jahren die Konserve erfand. Auf Wunsch Napoleons.

Der eroberungsbesessene Korse hatte demjenigen 12000 Goldfrancs versprochen, der Nahrungsmittel haltbar genug machen konnte, um die Soldaten auch in widrigen Lagen damit zu versorgen – denn mit der bewährten Technik des Plünderns kamen die vergrößerten Armeen nicht mehr weit. So machte sich Appert ans Probieren. Weniger ans Studieren. Er war kein Wissenschaftler. 1749, im selben Jahr wie Goethe, als Sohn des Wirts zum Weißen Ross in Châlons-sur-Marne geboren, wurde er Koch, Konditor und Zuckerbäcker in Paris. Als er die Preisfrage des späteren Kaisers von Frankreich anging, wusste noch keiner, dass es Mikroben sind, die Fäulnis und Gärung hervorrufen, und dass man sie durch Erhitzung tötet und per Vakuum fernhält. Und das hat auch Appert nie herausgefunden.

Trotzdem griff er Pasteurs Entdeckung gut ein halbes Jahrhundert voraus. Er folgte seinen praktischen Erfahrungen. Sie brachten ihn 1804 dazu, Lebensmittel auf 100 Grad Celsius zu erhitzen und in Gläsern luftdicht zu verschließen. Ob sie tatsächlich haltbar und genießbar blieben, wurde im Menschenversuch getestet. Als die Marinesoldaten, die man mit Apperts Einmachkost gefüttert hatte, munter blieben, bekam er den Preis. Am 22. Juli 1810 jubelte die »Gazette de Santé«: »Welch ein Vorteil, dem durch schwere Märsche erschöpften Soldaten ein gesundes Stück Fleisch, eine erquickende Kraftbrühe reichen zu können.« Man nannte die neue Technik »Appertisieren«, und ihr Erfinder schrieb ein Buch darüber.

In damaliger deutscher Übersetzung heißt es »Die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nähmlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Kuchen – Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, Kaffeh, Thee u.s.w. in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten«. Diese Kunst bahnte sich rasch ihren Weg in den Alltag und spätestens 1881 in die Weltliteratur. Da lässt Gustav Flaubert seine grotesken Spießer Bouvard und Pécuchet ans Konservenmachen gehen: »Sie beglückwünschten sich, dass sie wie Monsieur Appert ›die Jahreszeiten gefesselt hatten‹ «: solche Entdeckungen gingen nach Péchuchets Ansicht über die Taten der Eroberer hinaus. »Doch die beiden scheitern erbärmlich. Elf Gläser platzen, drei schließen nicht dicht.«

In Apperts Manufaktur lief das besser. Er hatte sie 1812 mit dem Preisgeld Napoleons gegründet und übernahm bald auch eine Methode, die Peter Durand in England entwickelt hatte: Das Konservieren in verlöteten Dosen. Eine Appertsche Büchse von 1813 wurde 1851 auf der Weltausstellung in London geöffnet, man befand den Inhalt für vollkommen erhalten und schmackhaft. Ungefährlich waren Konserven aber nicht. 8000 Dosen nahm anno 1845 John Franklin mit, als er mit 129 Männern die Nordwestpassage erkunden wollte. Die Dosen waren mit Blei versiegelt, und vermutlich haben Vergiftungen dazu beigetragen, dass niemand die britische Expedition ins Eismeer überlebte.

Diese frühen Büchsen trugen noch den Hinweis, sie seien mit Hammer und Meißel zu öffnen. Erst 1858 wurde der Dosenöffner erfunden: Zum Rindfleisch etwa erhielt man eine Metallschere mit Bullenkopf. Allmählich veränderte die Konserve das Leben. Sie könne, heißt es im Wiener »Appetit-Lexikon« von 1894, die Hausfrau von ihrer »Aschenbrödelstellung« erlösen und sie, dank Zeitersparnis, »zur ebenbürtigen Gefährtin des Mannes« machen. »Die Nachwelt wird daher das 19. Jahrhundert weder das eiserne noch das papierene, sondern das ›Jahrhundert der Konserven‹ nennen.« Es kam anders und wäre doch nicht falsch. Das 19. Jahrhundert war ja auch das der Konservatorien, der Museen, des Historismus, dessen Architekten sich verflossener Epochen so bedienten, wie es die Köche mit den Früchten vergangener Jahre taten.

Aber letztlich ist die Konserve vor allem ein Inbild des nächsten Jahrhunderts geworden – dank der Massenproduktion. Die grauenvollen Zustände in der Fleischkonservenindustrie in Chicago hat Upton Sinclair schon 1906 in »Der Dschungel« geschildert, die Weltkriege hätten ohne Büchsenkost nicht stattfinden können, und die Normierung des Konsums hat Andy Warhol 1968 zur Ikone gemacht mit seiner »Tomato Soup Campbell«. 200 Milliarden Büchsen werden derzeit pro Jahr hergestellt, mit einem Energieaufwand, der den Umweltschützern Schrecken bereitet. Vorbei die Zeit, da man auf dem Land die Hausschlachtwurst in immer denselben Büchsen versiegelte – wobei jeweils der alte Rand entfernt wurde und die Dosen mit jedem Mal schrumpften.

Und das Einmachen von Obst im Glas ist heute eher Hobby als Notwendigkeit. Dabei funktioniert es bestens. Fast so, wie Appert es beschrieb. Seine Erfindung bleibt in jedem Fall die haltbarste des 19. Jahrhunderts – in alter Frische. Heute eben als Dose aus Weissblech, wobei Dosen aus Weissblech nicht immer gleich Weissblechdosen sind. Als Verpackung für Produkte benötigen sie nicht diesselbe Ausrüstung an Schutzlacken gene Fruchsäuren, sind aber dafür vielfältig als Werbeverpackung verarbeitbar. So lassen sich Dosen heute bedrucken, lasern, gravieren oder mit dem Firmenlogo prägen. Hierzu empfehlen wir bei Interesse bei der Fa. geckoPAC unter www.geckoPAC.com nachzusehen.

Volker Hagedorn

 

     

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